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Oldtimer & Youngtimer

Um möglichst einfach von A nach B zu kommen braucht heutzutage kein Mensch mehr einen Oldtimer.
Mit einem Oldtimer kann aber – unter vielem Anderem - eine fernöstliche Weisheit buchstäblich „erfahren“ werden:
„Der Weg ist das Ziel“.
Auf einmal überall lächelnde Menschen, die einem von früheren Erlebnissen erzählen wollen, Landschaften, die plötzlich wieder einen typischen Geruch haben, eine wundersame Vermehrung zuvorkommender Verkehrsteilnehmer, freundliche Zeitgenossen allenthalben...
Die Teilnahmemöglichkeit an diversen spezifisch auf Oldtimer/deren Besitzer zugeschnittene Veranstaltungen sei hiermit wärmstens empfohlen – es muss nicht gleich die Mille Miglia sein.
Diese Veranstaltungen/Ralleys haben sich in den letzten Jahren qualitativ enorm entwickelt und bieten den Teilnehmern idR. wirklich ein Höchstmaß an Genuss.
Unsere Art der professionellen Beschäftigung mit Oldtimern in Bezug auf die Erneuerung von Verdecken hat mich in den vergangenen dreißig Jahren, in denen sich auch die Beziehung und Wahrnehmung von so genannten Oldtimern ganz erheblich verändert hat, mit ganz unterschiedlichen Autos – und mindestens ebenso unterschiedlichen Kunden zusammen gebracht.

An dieser Stelle möchte ich einmal nicht die Autos kategorisieren – sondern die Kunden/Auftraggeber.

Im Laufe der Jahre habe ich grob eingeteilt drei Kategorien von Kunden kennen gelernt:

Zum Ersten diejenigen, welche mindestens zum Teil selbst restaurieren, sich jedoch bestimmte, sehr spezielle Leistungen, wie es die Sattler-Arbeiten nun einmal sind, sozusagen zukaufen.
Der Kunde kennt sein Fahrzeug innen, außen, theoretisch und praktisch sehr genau, er ist nicht selten seit Jahren mit diesem Objekt beschäftigt.
Wegen der vorhandenen und/oder erworbenen Sachkenntnis werden wir wiederum kundenseits mit klaren Vorstellungen bezüglich Materialien und Verarbeitung und dem zu erzielenden Ergebnis beauftragt.
Ganz offen und ehrlich: 
Diese Kunden sind uns am liebsten – zumal sich die „Sparbrötchen“ unter ihnen in den letzten Jahren drastisch reduziert haben. Wohl weil auch dieses Klientel überwiegend gemerkt hat, dass nicht originalgetreue Ausführungen oder halbe Arbeiten an ihrem Oldtimer nichts wert sind. Oder sie sind mit ihrem Auto gen Osten abgewandert – auch gut.Es muss dann nicht mehr darüber nutzlos und überflüssig diskutiert werden, weshalb ein mitgebrachter Polyester-Samt, welcher vielleicht für eine schwere Übergardine taugt, in einem Mercedes 220, Baujahr 1950, absolut nichts zu suchen hat – auch wenn das Material noch so billig war und dem Kunden völlig genügt. Von einer sachgerechten Verarbeitung ganz zu schweigen. 

Zum Zweiten werden/wurden wir von anderen Firmen beauftragt.
Diese haben ihre Schwerpunkte, wie zum Beispiel die Technik oder den Karosseriebau und haben einen Restaurations-Auftrag angenommen und uns mit den Sattler-Arbeiten beauftragt.Aus dem Umstand heraus, dass wir den eigentlichen Kunden/Besitzer selbst idR. dann nicht kennen lernen – und dieser womöglich zu der weiter unten beschriebenen dritten Kategorie zuzurechnen ist – entstehen manchmal Probleme, wenn Spezifika im Umgang mit dem neuen Verdeck nicht direkt zum Besitzer hin vermittelt werden können.
Hat der Eigner entsprechende Vorkenntnisse, geht es gut.
Wenn nicht, - und unser Profi-Kunde hat die Bedienung nicht erklärt , läuft das ganze Gefahr, zu einem pseudo-Reklamationsfall zu werden – mit allseits langen Gesichtern.
Der Besitzer wurde dann vielleicht eingewiesen, seinen komplett überholten Motor nicht sofort – womöglich im kalten Zustand – mit Höchstdrehzahl auszulasten, über die sachgerechte Bedienung des Verdeckes und den Umgang mit der Anfangsspannung wurde jedoch nicht gesprochen – die Bedienungsanleitung ist ebenfalls unbekannt. Wie auch beim unsachgemäßen Umgang mit einem frisch überholten Oldtimer-Motor können durch Fehlbedienung auch am nagelneuen Verdeck eines Oldies schnell Schäden entstehen.

Zum Dritten gibt es Kunden, welche sich mit ihrem Fahrzeug fast überhaupt nicht auskennen. Sehr sehr problematisch.
Das klingt ja auch zunächst paradox, denn es sollte doch hinlänglich bekannt sein, dass ein Oldtimer etwas sehr Spezielles ist und diese Autos nach heutigen Maßstäben auch nicht zuverlässig waren. Das stimmt zwar m.E. als Pauschalurteil überhaupt nicht – im Gegenteil(!) – aber unstrittig ist, dass es einer gewissen Kenntnis des jeweiligen Fahrzeuges bedarf – beim einen mehr, beim anderen weniger – wenn solche Autos betrieben werden.
Dem hier beschriebenen Kunden-Typus ist das leider oft nicht im notwendigen Umfang klar. Der Kauf eines Oldtimers ist mit einem gerüttelten Maß an Naivität gepaart.
Der Klassiker wird als Kapitalanlage betrachtet (das ist ja auch nicht von der Hand zu weisen) mit einem zusätzlich möglichen Spaßfaktor (ebenfalls nicht von der Hand zu weisen).
Und/oder man(n) hat sich einen Jugendtraum erfüllt, hegt Assoziationen in Verbindung mit dem Mercedes 220 S, Jaguar E-Type, Porsche 356... - und hat die Vorstellung, dass so ein Oldtimer genau so funktioniere, wie ein modernes Auto.
Vor allem, wenn der Wagen von ausgewiesenen Spezialisten aufwändig restauriert worden ist. Was auch immer die Motivation war, sich einen Oldtimer zugelegt zu haben:
Das endet dann leider in einer Enttäuschung. 
Diese ist dann das Ende der vorangegangenen (Selbst-) Täuschung über die Eigenschaften und die Nutzungsmöglichkeiten eines klassischen Autos.

Einige handfeste Beispiele aus unserem Verdeck-Bereich sind:

Abgerissene und/oder heraus gebrochene Spannhaken beim 356er Porsche (Reihenfolge der Schließung nicht eingehalten in Verbindung mit ungenügend nach vorne gezogenem und falsch positionierten Verdeck (beim Jaguar E oder Mercedes 190SL bricht bei diesem Fehler zwar nur selten der Verschluß, dafür aber um so öfter die Frontscheibe), Beschädigung des neuen Verdeckbezuges durch unkontrollierte Faltung (viele Verdecke müssen nach Anleitung gefaltet und gestopft werden, ansonsten gerät der Bezug an bestimmten Stellen in eine Gestängeschere und wird zerquetscht), herausgerissene Beschläge samt Karosserie-/Lackschäden, weil es schlichtweg vergessen wurde, diese zu lösen, bevor das Verdeck eingefaltet wurde, usw, usw.Fast immer werden dann solcherart entstandene Beschädigungen unter dem Zauberwort „REKLAMATION“ subsumiert.
Und es werden uns bunte Sträuße von Hypothesen als Erklärungen mitgeteilt, warum es kaputt gegangen ist:
Die Spannung war zu hoch weil Verdeck zu klein konfektioniert, schlecht eingestellt, ungenügend restauriert, schlechter Stoff...usw, usw.
Nur an den eigenen Fingern hat es nicht gelegen.
Für uns ist es dann wirklich schwierig, damit umzugehen.
Denn wir wollen, dass der Kunde Freude an seinem Oldtimer hat – keine Gründe, sich zu ärgern, - die gibt es ansonsten ja schon genug. Der Oldie ist ja genau als das anti-Programm dazu gedacht.
Wir wollen uns aber auch nicht ärgern müssen. Über so etwas.

Die Analyse ergab Folgendes:

Wenn wir direkt mit dem Besitzer zu tun hatten, wir alles zeigen und besprechen konnten, war alles entspannt. Nichts von den beschriebenen Problemen. Keinerlei „Reklamation“.
Probleme entstanden immer nur, wenn das Fahrzeug über Vermittlung zu uns kam, uns der Besitzer unbekannt blieb.

Unser Lösungsansatz:

In den Typenbeschreibungen sind einige Umstände/Eigenheiten erwähnt oder sogar erläutert.
Vieles lässt sich jedoch nur und ausschließlich am Fahrzeug vermitteln. Deshalb ist es unser Bestreben, bei Oldtimern mindestens unseren Auftraggeber zu instruieren und ihn mit der Vermittlung der jeweils sachgerechten Bedienung zu beauftragen.
Dieser Beitrag zu einer optimierten Abwicklung entbindet den Oldtimer-Besitzer jedoch nicht davon, ein besonderes Interesse für ihr Fahrzeug zu entwickeln und sich damit auseinander zu setzen, sonst wird es ihm keinen Spaß bereiten – eine deutliche Prophezeiung von meiner Seite.
Ein Oldtimer will mit VORsicht UND mit NACHsicht behandelt werden!
Wenn diese Bereitschaft vorhanden ist oder über den Erwerb eines Oldtimers generiert werden kann, den Besitzer der „Oldtimer-Virus“ ereilt...
dann ist es passiert.... Willkommen im Club!


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